RFLKT Magazin
Für uns stellt sich immer häufiger die Frage, welche tiefer gehenden Wirkungen künstlerische Arbeiten auf den Betrachter haben und haben können. Begründet liegt dies in der Auseinandersetzung mit digitalen Medien und Ausprägungen, zum Beispiel in Anbetracht ihres Einflusses auf Musik, Architektur, Performance, Theater, Film, und zudem ferner mit der Beschäftigung der Fragestellung, wie sich die Gesellschaft durch den zunehmenden Gebrauch von Algorithmen verändert sowie der damit einhergehenden Entwicklung und Entstehung von Bereichen wie Robotik, Animation, digitaler Bildbearbeitung und der daraus entstehenden Schaffung digitaler Kunstformen.
Wir reagieren auf einen bestimmten Reiz, nehmen Dinge wahr, ob unmittelbar sichtbar oder nicht. Wir reagieren bewusst oder unbewusst.
Die resultierenden Interdependenzen, also Auswirkungen auf den Ablauf, in denen Ursache und Wirkung ihre Stellung in der Kommunikation – mit anderen oder sich selbst – verändern können, sind somit ausgelösten Reizen geschuldet. Die Theorie, die diesem Sachverhalt zugrunde liegt, besagt, dass Sender und Empfänger den Kommunikationsablauf unterschiedlich gliedern und interpretieren und so ihr eigenes Verhalten oft nur als Reaktion wahrnehmen. Interessant sind hier vor allem die Anfänge einer solchen Verkettung. Diese werden rein subjektiv gesetzt, als sogenannte Interpunktionen. Auch künstlerische Arbeiten lösen Reaktionen aus. Reaktionen, die im optimalen Fall Reflexion zur Folge haben, ein prüfendes und vergleichendes Nachdenken über eine Situation, über einen Zustand. Im Besonderen hieße das, sich selbst in Situationen zu prüfen, zu überprüfen, respektive Situationen zu erkennen, abschätzen und analysieren zu können. Was sehe ich in dieser Situation und ist diese Wahrnehmung einer bestimmten Emotion geschuldet? Nehme ich die Dinge in einer anderen Gefühlslage auch anders wahr? Verändert sich eine wiederholte oder andauernde Betrachtung gegenüber einer einmaligen oder flüchtigen?
Das Spannende ist: Jeder Betrachter findet eigene Zusammenhänge, Betrachtungswinkel, Interpretationen, Symboliken, Reflexionen.
Dieses Heft ermöglicht den Eintritt in eine Ausstellung, auf die man einen langfristigen und theoretisch unbeschränkten Zugriff hat. Es gibt die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum das vorliegende Material zu reflektieren, und es ist eine Chance, den Reflex des Abschaltens zu umgehen. Eine Ausstellung zum Mitnehmen, die zur Konfrontation mit dem vorliegenden Werk eines Künstlers zu einem bewusst gewählten Thema einlädt.
Die Idee ist der Sammlung von Arbeiten, die uns inspirieren, berühren, überfordern – kurz: die etwas in uns auslösen, etwas mit uns machen –, geschuldet.
Mit diesem Heft haben wir hierfür etwas Haptisches gefunden, etwas zum Verweilen, etwas das man bewusst in die Hand nimmt, betrachtet und mit dem man sich auseinandersetzt. Wir nennen es RFLKT und dieser Name ist absichtlich ein Spiel mit den Worten Reflex, Reflexion und Reflektor. Wir wollen Reize auslösen und zur Reflexion anregen.
(Sichtbarkeit und Wahrnehmung treiben wir durch das Weglassen eines wesentlichen Vokals auf die Spitze.)
